Wilhelm – mit neuem Team in Vaduz

 

Die Wilhelm AG möchte am Standort in Vaduz weiter wachsen und plant weitere Berater einzustellen.

 

Wie hat sich die Pandemie auf Ihre Tätigkeit ausgewirkt?
Stefan Wilhelm: Wir sind – wie viele Unternehmen – mit grossem Respekt in die Corona-Zeit «geschlittert». Rückblickend können wir aber zufrieden sein: Wir sind mit einem «blauen Auge» davongekommen. Das liegt u.a. an unserer Hauptkundengruppe: KMU. Diese haben sich schon immer als sehr krisenresistent erwiesen und dank langfristiger Orientierung keine voreiligen Entscheidungen getroffen. Zurückhaltung haben wir eher von Kandidatenseite gespürt: Die Bereitschaft, eine sichere Stelle zu verlassen, sank. Dies hat die Rekrutierungsprozesse teils stark in die Länge gezogen. Positiv war, dass die Kandidatinnen und Kandidaten einfacher zu erreichen waren – Homeoffice sei Dank!

 

Sie sind an allen bedeutenden Wirtschaftsstandorten der Deutschschweiz und im Tessin vertreten – gab es regionale Unterschiede?

Stefan Wilhelm: Ja. Vor allem das Tessin traf es hart. Als «Grenzgängerkanton» hatte die Schliessung der Grenzen einschneidende Folgen für den Arbeitsmarkt.

 

Ausgerechnet in dieser anspruchsvollen Phase haben Sie sich von drei erfahrenen Beratern getrennt. Warum sind Sie dieses Risiko eingegangen?

Stefan Wilhelm: Wir wurden mit ultimativen Forderungen bezüglich Akti- enbeteiligung konfrontiert, welche wir nicht bereit waren, zu akzeptieren. In der Folge haben wir uns zur Trennung entschieden.

 

Gab es Ihrerseits Verhandlungsbereitschaft?
Stefan Wilhelm: Wir haben im Sommer 2020 gegenüber den leitenden Mitarbeitenden kommuniziert, dass wir bereit sind, einen Teil der Aktien abzutreten. Wir haben aber klar signalisiert, dass wir als Inhaber die Mehrheit behalten wollen. Wir sind seit über 40 Jahren ein Familienunternehmen und wollen auch in Zukunft ein Familienunternehmen bleiben.

 

Wie haben Sie es geschafft, die entstandene Lücke zu füllen?
Stefan Wilhelm: Teamwork. Wir haben Beraterinnen und Berater von St. Gallen und Zürich eingesetzt, um die laufenden Mandate abzuwickeln. Und wir hatten Glück. Mit Philipp Hammer und Amir Murtezi konnten wir zwei erfahrene Berater für Vaduz gewinnen. Philipp ist zwar Quereinsteiger in der Personalberatung, bringt aber langjährige Erfahrung im Management mit und hat sich bei namhaften Agenturen mit dem Thema Employer Branding beschäftigt. Amir hat zuvor mehrere Jahre bei einer auf Finance- und HR- Positionen spezialisierten Beratung in Zürich gearbeitet. Last but not least: Ich selbst konnte meinen Fokus – welcher davor stark dem Standort Zürich galt – wieder zurück nach Vaduz legen. Es war für mich sehr schön, Kunden, welche ich teils seit rund 20 Jahren kenne, wieder persönlich betreuen zu dürfen. Und ich glaube, sie schätzen es auch.

 

Welchen Stellenwert hat die Niederlassung Vaduz in Ihrer Gruppe? 

Stefan Wilhelm: Wirtschaftlich wie emotional – ich bin ja nur 100 Meter entfernt vom Büro aufgewachsen – ist Vaduz für uns sehr wichtig. Liechtenstein ist zwar ein weltoffener Wirtschaftsraum, aber bezüglich des Arbeitsmarktes doch sehr lokal und regional geprägt. Der Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte unter den Unternehmen ist gross. Nur wer über die notwendigen Beziehungen verfügt, ist in der Lage, an die richtigen Leistungsträger zu kommen. Hier können wir einen klaren Mehrwert liefern.

 

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von Wilhelm?
Philipp Hammer: Sehr gut. Als Gesamtanbieter – von der Rekrutierung über Assessment und Outplacement – verfügen wir gegenüber den Mitbewerbern über klare Wettbewerbsvorteile.

Noch wichtiger: Mit unseren Standorten Zürich, St. Gallen, Bern und Basel können wir auf ein Netzwerk in der gesamten Deutschschweiz zurückgrei- fen, welches gerade im Buhlen um die besten Talente von grösster Bedeutung ist.

 

Rechnen Sie mit neuer Konkurrenz?

Philipp Hammer: Ja, klar. Konkurrenz belebt und treibt uns alle voran.

 

Wenn die Kandidatensuche so schwierig ist: Über welche anderen Kanäle sprechen Sie Kandidaten an? Was machen Sie anders?

Ursula Grimm: Das persönliche Netzwerk der Berater bleibt sehr wichtig. Hierfür setzen wir gezielt unsere umfangreiche Datenbank ein. Gleichzeitig läuft vieles über Direktansprachen: In Zürich haben wir ein spezialisiertes Research-Team, welches uns Beraterinnen und Berater bei der Gewinnung von Spezialisten und Kadermitarbeitenden erfolgreich unterstützt. Sie leisten einen wichtigen Beitrag, um für unsere Kunden die besten Köpfe zu finden.

Stefan Wilhelm: Auch die Zeitungsinserate bleiben ein wichtiger Kanal in der Ansprache.

 

Das sagen Sie jetzt nur, weil dieses Interview in der Zeitung erscheint. 

Stefan Wilhelm: Nein. Wir müssen Kandidaten erreichen, die nicht aktiv auf der Suche sind. Hier ist ein Zeitungsinserat oftmals ein wertvoller Kanal. Printinserate sollen beim losen Durchblättern der Zeitung auffallen.

 

Wie ist die Erfolgsquote?

Amir Murtezi: Der Erfolg lässt sich nur schwer messen. Fakt ist: Wenn sich jemand auf ein Inserat meldet, ist diese Person bereits von sich aus motiviert. Hinzu kommt ein positiver Werbeeffekt: Ein Unternehmen, das rekrutiert, wächst.

 

Wie werden Bewerber in der Regel auf Sie aufmerksam?
Ursula Grimm: Unsere Faustregel lautet: Ein Drittel der potenziellen Kandi-

daten ist aktiv stellensuchend und hat Newsletter oder Abos von Jobplattformen gelöst. Zwei Drittel identifizieren wir mit gezielter Suche, durch Direktansprache und über verschiedene Medien.

 

Spüren Sie, dass Unternehmen eine Frauenquote anwenden?
Amir Murtezi: In der Praxis wenig. Das ist tendenziell bei grösseren oder börsenkotierten Firmen der Fall, die unter Beobachtung stehen. Ein KMU will einfach die beste Person für den Job, das Geschlecht ist dabei zweitrangig.

 

Ist der Zusatz «m/w/d» bereits Standard?
Amir Murtezi: Das ist von Kunde zu Kunde noch sehr unterschiedlich. Das gleiche sehen wir bei der Ansprache per «Du» oder «Sie». Letztens sah ich eine Stellenausschreibung für ein Geschäftsleitungsmitglied eines grösse- ren Schweizer Versicherungsunternehmen, welches in «Du»-Form abgefasst war. Das wirkte etwas befremdlich. Man merkt jedenfalls: Viele Firmen sind in der Selbstfindungsphase betreffend Ansprache und Gendern.

 

Wie sehen Sie die Niederlassung Vaduz?
Philipp Hammer: Es ist eine echte Chance, den Standort mit einem neuen Team und frischen Ideen weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund möchten wir weiter wachsen und sind guter Dinge, im Herbst einen weiteren Berater einstellen zu können. Qualität steht dabei an oberster Stelle: Auch wenn Schnelligkeit unser Geschäft bestimmt, legen wir grössten Wert auf die Güte unserer Arbeit. Wir verstehen uns als Berater und Coach, hören zu, hinterfragen, optimieren, liefern Tools und Methoden, kooperieren und agieren auf Augenhöhe. In der Zusammenarbeit entstehen die besten Lösungen.

 

Zu den interviewten Personen

Ursula Grimm arbeitet seit 2019 bei Wilhelm und betreut vorwiegend Dienstleistungs- und Industrieunternehmen.

 

Philipp Hammer stiess im März 2021 zur Wilhelm AG Vaduz. Sein Fokus liegt auf Führungskräften und Fachspezialisten im Dienstleistungssektor sowie für öffentlich-rechtliche Unternehmen.

 

Amir Murtezi ist seit März 2021 bei der Wilhelm AG tätig und rekrutiert Fachspezialisten für die Finanzdienstleistungsbranche und Industrie.

 

Martina Schmitz ist seit 2006 bei der Wilhelm AG und hat die Fachleitung Research inne. Ihr Fokus liegt in der Finanzdienstleistungsbranche sowie der Industrie.

 

Stefan Wilhelm ist seit 2012 als CEO verantwortlich für die operative Leitung der Wilhelm-Gruppe. 2015 übernahm er die Aktienmehrheit.

 

Publireportage, Wirtschaft Regional, Liechtensteiner Vaterland, 11.06.2021