Frauen/Netzwerk

 

Wer eine Karriere machen will, die bis ins Management führt, braucht neben dem Leistungsnachweis entsprechende Kontakte. Männern wie Frauen ist das bekannt und trotzdem setzen Frauen beim Netzwerken andere Prioritäten. Die grösseren Frauennetzwerke der Schweiz setzen auf einen Perspektivenwechsel.

 

Netzwerken Frauen mit Kopf oder Bauch?

 

Menschen sind soziale Wesen. Sie brauchen persönliche Kontakte wie die Luft zum Atmen. So weit, so zutreffend, für Männer und Frauen. Darum sind Netzwerke aller Art beliebt, was die teilweise beachtlichen Mitgliederzahlen vieler privater und öffentlicher Vereine sowie Businessnetzwerke beweisen. Auch Online-Verbände haben sich als Netzwerkplattformen etabliert und das längst vor der Zeit des Social Distancing. Unabhängig davon, welche Ausrichtung ein Netzwerk hat, in einem sind sich alle gleich: Sie verbinden Menschen mit ähnlich gelagerten Interessen, die sich darauf austauschen, Feedback geben und gegenseitig stärken. Dadurch bilden sie eine Basis für die persönliche Weiterentwicklung und die beruflichen Perspektiven. Frauen tun sich jedoch schwerer damit, ihrer Karriere mit Netzwerkarbeit einen Schub zu geben. Wie Clivia Koch, Präsidentin des Verbands für Wirtschaftsfrauen Schweiz, im Interview mit WILHELM (siehe unsere Publikationsreihe «Aspekte») aufzeigt, finden 80 Prozent der Männer eine Anstellung für Kaderpositionen über Netzwerke, während bei 80 Prozent der Frauen ein Personalvermittler mitagiert.

 

Das Netzwerk als Sprachrohr für Frauen summt nur leise

 

In der Schweiz sind Frauen in einflussreichen Positionen noch immer untervertreten. Entsprechend kleiner ist das Potenzial für Frauen, über Netzwerke Zugang zu hochrangigen Managerinnen und somit Zugang zu deren Kontakten und Netzwerken zu erhalten. Das stellt für karriereorientierte Frauen ein wesentliches Manko dar, denn für das berufliche Fortkommen bis hinein ins Top-Kader reicht ein guter Leistungsnachweis allein nicht aus. Dass Netzwerken für Frauen weniger Früchte trägt, liegt zum Teil auch an den nicht beruflich orientierten Beweggründen, die sie in ein Netzwerk führen. Insbesondere in Frauennetzwerken suchen Mitglieder weniger nach Alpha-Kontakten. Sie schätzen es mehr, einfach mal Frau zu sein, ohne Genderbarrieren überbrücken zu müssen. Das zeigt sich in dem lockeren Umgang, der in reinen Frauenverbänden herrscht. Themen wie Work-Life-Balance oder das Vereinbaren von Beruf und Familie finden leichter Platz und spontan werden auch Misserfolge thematisiert. Viele Frauen finden es unanständig, soziale Beziehungen für ihre eigenen beruflichen Zwecke auszunutzen. Gekoppelt mit der Tendenz, die eigenen Qualifikationen tiefzustapeln, summt das Netzwerk als Sprachrohr für Frauen nur noch leise. Ändern wollen das die grösseren Frauennetzwerke mit einem Veranstaltungsspektrum, das weg von Wohlfühloasen und hin zum wirtschaftlichen Nutzen für weibliche Berufstätige führt. Mit Anlässen auf lokaler und nationaler Ebene zu Business- und Karrierethemen bringen sie ihre Mitglieder und frauenfördernde Unternehmen zusammen. Das klare Ziel: Frauennetzwerke sollen in naher Zukunft stärker dazu beitragen, Frauen auf ihrem Berufs- und Karriereweg weiterzubringen.